25. Lindenberger Hut-Tag Jubiläum 2026

Das 25-jährige Jubiläum am 10. Mai 2026

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25. Lindenberger Hut-Tag Jubiläum 2026

Am Muttertag, dem 10. Mai 2026, stand Lindenberg wieder einmal Kopf. Besser gesagt: voller Hüte auf den Köpfen. Der jährlich veranstaltete Tag des Kopfschmuckes wurde dieses Jahr bereits zum 25. Mal in der schönen Allgäuer Huttraditionsstadt Lindenberg durchgeführt. Ein besonderes Highlight dieses Events ist die traditionsreiche Wahl der Hutkönigin.

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Aus nah und fern kamen die Besucher:innen zum 25. Lindenberger Huttag. Eine Hauptbedeckung ist sozusagen Pflicht in Lindenberg im Allgäu an diesem Tag, gleichgültig welcher Art.

Das Tor zur Welt der Hüte

Lindenberg im Allgäu liegt im westlichen Allgäu, zwischen Bodenseeraum, Voralpenland und den Allgäuer Höhenlagen. Die Stadt verbindet urbane Lebendigkeit mit typisch allgäuerischem Charakter: Tradition, Handwerk, Tracht und Gastlichkeit. Historisch gesehen steht Lindenberg für eine ganz besondere Identität: die Hutmacherei. Bereits im 17. Jahrhundert wurden im Herzen des Westallgäus Hüte hergestellt. Über Jahrhunderte hinweg war Lindenberg eines der bedeutendsten Zentren der Hutproduktion in Deutschland und europaweit sowie darüber hinaus bekannt. Auch einige Hollywood-Stars trugen Lindbergs Hüte in ihren Filmstreifen auf ihrem Schauspielerhaupt.

 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein elementarer Industriezweig, der viele Familien ernährte und großen Wohlstand brachte. Der heutige Huttag erinnert deshalb nicht einfach an ein lokales Handwerk, sondern an jene Industrie, die Lindenberg wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell geprägt hat. Wegen ihrer Eleganz, ihres internationalen Flairs und ihrer modischen Bedeutung erhielt die Stadt seinerzeit den Kosenamen „Klein-Paris der Hutmode“.

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Fesch fesch - links: die charmante Inhaberin des Café Bar Jacob in Lindenberg am Stadtplatz, rechts; meine Mutter Hanni.

Die große Zeit der Hutfabriken

Einer der größten Huthersteller in Lindenberg war die Firma Ottmar Reich Hutfabrik. Sie war einst der größte Arbeitgeber vor Ort und prägte das Stadtbild massiv. Das imposante Fabrikgebäude ist heute die Heimat des Deutsches Hutmuseum Lindenberg, dessen Besuch, insbesondere eine geführte Besichtigung, für Urlaubsgäste eine absolute Empfehlung darstellt. Von den zahlreichen Lindenberger Hutfabriken blieb schließlich nur noch die Firma Mayser bestehen, ein international bekannter Hersteller hochwertiger Hüte. Heute ist Mayser der letzte große Name der Lindenberger Huttradition

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Der Raritätenfinder (raritaetenfinder.de) war auch da, mit teilweise mehr als 50 Jahre alten ungetragenen Original-Hüten.

Als der Hut noch selbstverständlich war

Wenn man bedenkt, dass bis vor wenigen Jahrzehnten der Hut ein nahezu selbstverständlicher Bestandteil der Bekleidung war; Männer gingen kaum ohne Hut aus dem Haus und Frauen trugen je nach Anlass kunstvoll gestaltete Kopfbedeckungen. Heute nicht mehr wahrzunehmen, erkennt man welchen Stellenwert der Hut einst besaß. Er war weit mehr als bloße Mode. Er gehörte zu Stil und Etikette und galt als Zeichen von Respekt und Anstand, etwa wenn Männer ihren Hut vor einer Frau zogen und sich dabei leicht verneigten. An einem Tag wie dem Lindenberger Huttag, an dem schier jeder einen Hut auf dem Kopf trägt, bemerkt man erst, wie schade es eigentlich ist, dass diese Form von Hochkultur in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend ausgestorben ist.

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Neben Hüten hatten auch viele, wie z.B. dieser Oldtimer-Fahrer, ein Cap auf oder eine Mütze auf.

Zwischen Tradition und Lebensfreude

Wie auch immer, mit dem Niedergang des Huttragens hat sich in Lindenberg vieles verändert. Dennoch wird die Tradition mit diesem besonderen Tag bewusst bewahrt. Die Stadt ist voller Hüte: auf den Häuptern der Besucher, an den zahlreichen Verkaufsständen im Stadtkern, in den verkaufsoffenen Geschäften und selbstverständlich auf dem Hutmarkt vor dem Hutmuseum, wo man eine Vielzahl der Hauptverschönerungen anprobieren und erwerben kann. Nebenbei wird man dort noch von angenehmer Live-Musik begleitet und kann gemütlich etwas trinken, essen und enstpannen.

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Ein schönerer Wagen nach dem anderen in Reih und Glied auf dem Lindenberger Stadtplatz.

Klassiker der Automobilgeschichte

Etwas ganz Besonderes beim Lindenberger Huttag ist zudem, dass sich beim gemütlichen Schlendern durch die Stadt, links und rechts des Weges sowie auf dem Stadtplatz selbst, eine Vielzahl von Klassikern der Automobilgeschichte reihen. Ein wunderschöner Oldtimer nach dem anderen kann bestaunt werden und verstärkt den reizvollen Charme vergangener Zeiten noch zusätzlich.

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Dieser ältere Herr ist der stolze Besitzer eines Mercedes 190 SL Coupe, Baujahr 1957. Er hat das unglaublich schicke Stück selbst aufwendig über viele Jahre vollständig restauriert. Die elegante hellgrüne Farbe ist sehr selten an diesem Fahrzeugtyp und ist der Originallack.
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Der ältere Herr fährt sein Schmuckstück nicht mehr selbst, sondern lässt sich von seiner charmanten Tochter chauffieren.

Wir von Lakeside Cinematics sind häufig auf Oldtimer-Veranstaltungen unterwegs. Doch besonders bemerkenswert ist, dass sich in Lindenberg die eine oder andere automobile Schönheit aus der Garage dorthin bewegt, die andernorts nicht zu sehen ist. Für Liebhaber des alten Blechs, so wie wir es sind, ist dieser Tag schon allein wegen dieser nostalgischen Fahrzeuge einfach wunderbar.

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Ein schicker Traum in rot, das Cadillac Series 62 Cabriolet von 1960.
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Ein eleganter Traum in weiß, der Cadillac DeVille, Baujahr gegen 1970. Mit roten Rosen auf der Haube, wahrscheinlich extra zum Muttertag.

Historische Traumwagen in städtischer Atmosphäre

Die Wahl der Hutkönigin

Im Zentrum des Huttages steht selbstverständlich die Wahl der Hutkönigin, die alle zwei Jahre stattfindet. Dabei ist zu erwähnen, dass die Hutkönigin die offizielle Botschafterin der Hutstadt Lindenberg ist; sie repräsentiert die Huttradition bei Veranstaltungen, Empfängen und kulturellen Ereignissen. Gleichzeitig steht sie symbolisch für die Verbindung von Tradition, Mode und der Hutkultur. Ursprünglich gab es lediglich die „Lindenberger Hutkönigin“, doch seit 2010 trägt die Auserwählte offiziell den Titel „Deutsche Hutkönigin“. Dieses außergewöhnliche Ehrenamt repräsentiert somit eine Tradition, die weit über das Allgäu hinaus bekannt ist.

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Die sehr charmante, seit 2024 amtierende Hutkönigin Nicole Schmitz-Bernt im Interview.
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Die Hutkönigin Nicole Schmitz-Bernt übergibt ihren Königinnenstatus an eine würdige Nachfolgerin - eine der Bewerberinnen interviewt sie hier gerade.

Vier Damen und eine Krone

Die sehr charmante, seit 2024 amtierende Hutkönigin Nicole Schmitz-Bernt übergab in diesem Jahr, also 2026, ihren Königinnenstatus an eine würdige Nachfolgerin, die von einer Jury gewählt wurde. Mit absoluter Sicherheit war Nicole Schmitz-Bernt eine überaus repräsentable Huthoheit, die durch ihre Natürlichkeit und Herzlichkeit dem Titel der Hutkönigin alle Ehre machte und auf den zahlreichen Veranstaltungen ihrer Amtszeit stets gerne gesehen war.

 

Wie der regionalen Presse bereits im Vorfeld zu entnehmen war, gab es jedoch für die diesjährige Neuwahl einer Nachfolge-Hutkönigin ein mittelgroßes Problem - oder war es eher eine kleine Katastrophe? Es gab zunächst schlichtweg keine Bewerberinnen. Schließlich fanden sich dann doch noch, mehr oder weniger in letzter Minute - eine Absage der Wahl stand bereits im Raum -einige Damen, die sich der Nachfolge stellen wollten. Warum es jedoch kaum Bewerberinnen gab, bleibt eine Frage, die sich nur schwer erschließt. Wie kann es sein, dass in der Hauptstadt der Hüte kaum bereitwillige Damen vorhanden sind, die sich berufen fühlen, dieses hoheitliche Traditionsamt anzutreten? Wurde vielleicht zu wenig getan, um neue Anwärterinnen zu gewinnen?

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Die vier Damen, die die Nachfolge der Deutschen Hutkönigin wagen würden - von links nach rechts; Regina Adelmut aus Bregenz, Eva-Caroline Dornach aus Kempten, Maria Angela Schipani-Kirchmann aus Lindenberg, die zur neuen Hutkönig gekrönt wurde und Jenny Schuhmacher ebenfalls aus Lindenberg.

Locker flocker flanierend über die Bühne

Wie auch immer, die vier Damen, die die Nachfolge wagen wollten, präsentierten sich unter dem Beifall der Menge dem Publikum. Ganz unterschiedliche Frauentypen standen auf der Bühne: Die erste war die junge Lindenbergerin Jenny Schuhmacher, die sich mit einem wunderschönen Lächeln, in einem schlichten traditionell-mediterranen Blumenkleid und mit einem hübschen, mit Stickereien verzierten Rundhut präsentierte. Die zweite sympathische Kandidatin, Maria Angela Schipani-Kirchmann, ebenfalls aus Lindenberg, zeigte sich in einem von oben bis unten weinroten, äußerst eleganten Look, kombiniert mit einem schräg aufgesetzten Tellerhut samt Schleifen. Es folgte die dritte Bewerberin, Eva-Caroline Dornach aus Kempten, die in einem dunklen, teils schwarz gehaltenen Kleid mit Blumenmuster und schwarzen Handschuhen ihren mit einem Schnitthut und Federn geschmückten Kopf präsentierte. Die vierte und letzte im Bunde war Regina Adelmut aus Bregenz, eine Mode-Designerin, die sich und ihr selbst entworfenes, wirklich schönes orangerotes Kleid mitsamt ebenso selbst entworfenem Hut mit professioneller Eleganz präsentierte. Gewählt wurde letztendlich durch die Verkündung der Jury rund um Bürgermeister Peter Stahl Maria Angela, die ihr Glück kaum fassen konnte.

Musik, Genuss und flanierende Lebensfreude

Das Event bot den Besuchern jedoch noch weit mehr. Unter anderem hatten die Lindenberger Restaurants und Cafés während des Tages in der ganzen Stadt geöffnet. Eine tolle Live-Band spielte auf der Hauptbühne, weitere Musikanten traten an verschiedenen Orten auf und begeisterten die Besucher. Die Stadtkapelle spielte auf, eine Rock ’n’ Roll Show und eine Salsa Tanzperformance gab es auch noch. Zusätzlich bot eine attraktive und enorm sportliche Artistin ihre Künste dar. Bereits bei ihrem Auftritt auf der Hauptbühne sorgte sie für große Aufmerksamkeit und heftigen Applaus. Als sie anschließend noch durch die Straßen zog und ihr Können auf ihrem drei Meter hohen Hochrad präsentierte, zog sie endgültig sämtliche Blicke auf sich.

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Diese Ladys im einheitlichen Gruppenlook waren allenorts höchstfröhlich aufzufinden.
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Vielseitiger Lindenberger Huttag - mal etwas ganz anderes; ein Kopfschmuck anhand eines Punkhutes.
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Auch ein schöner Rücken kann entzücken; eine Artistin der besonderer Art beim Huttag Lindenberg.
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Meine Mutter beim Werfen eines Hutes, den die Artistin versucht mit ihrem Kopf zu fangen - wie passend für einen Huttag.

Sie sah die Hüte von oben

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Ich mit schickem Mayser-Hut vor meinem Moggy.

Der Huttag - ein Besuch, der sich lohnt

Wenn Sie noch nie am Lindenberger Huttag zugegen waren oder einen Urlaub zur Zeit des Events im Mai in der Region planen, sollten Sie diese Veranstaltung unbedingt besuchen. Selbstverständlich sollten Sie dabei Ihren schönsten Hut tragen. Falls Sie noch keinen besitzen sollten, dann wird es höchste Zeit - und was läge da näher, als in Deutschlands Hutstadt Nummer eins auch mindestens einen Hut zu erwerben?

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Überall wo man hinsieht Hüte - wenn man es nicht dazu gesagt hätte, das Huttag ist, hätte man es womöglich selbst bemerkt.

Billig gibt es woanders - Qualität hat ihren Preis

Doch nehmen Sie lieber ein wenig mehr Geld mit; billig gibt es woanders. Qualität hat ihren Preis, aber das ist es wert. Sie wollen Ihr Haupt schließlich aufwerten und nicht mit irgendeinem minderwertigen Stück Stoff abwerten.

 

In diesem Sinne ;-)
11. Mai 2026, Michael

Autor

Michael Gfrerer

Fotograf, Redaktion

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