Da wir bei den Vorbereitungen und auch auf dem Glemseck-101-Event selbst immer wieder auf den Namen bzw. den Verein „Seehaus e.V.“ gestoßen sind, wollten wir etwas genauer hinsehen, was es damit auf sich hat. Was unserer Meinung nach etwas untergeht bzw. wenige verstehen, wollen wir deshalb heraufholen an das „Tageslicht“. Schließlich sind wir auch dem Journalismus verpflichtet. Und es hat sich gelohnt, denn hinter Glemseck steckt neben der unglaublichen Historie noch eine andere ebenso faszinierende und gleichzeitig eine in höchstem Maße von Menschlichkeit und Hoffnung erzählende Tatsache. Die Zusammenhänge sind ein wenig komplex, ich versuche sie wie folgt zu erläutern: Der Veranstalter, die „Glemseck GmbH“ ist eine hundertprozentige Tochter des Seehaus e.V. Damit steht der Verein Seehaus wirtschaftlich und strukturell hinter der Glemseck GmbH. Der Vereinsname benennt letztlich ein Gebäude, wie es „Seehaus“ bereits vermuten lässt. Es ist ein sehr historischer Gebäudekomplex, erbaut 1609, der sich oberhalb des Glemseck befindet. Hinter Seehaus e.V. steht jedoch auch ein spezielles, höchst löbliches Konzept. Es ist eine Einrichtung für den Jugendstrafvollzug in freier Form. Junge Männer, die zu einer Haftstrafe verurteilt wurden, können unter bestimmten Voraussetzungen ihre Haftzeit dort verbringen. Statt klassischer Gefängnismauern erwartet sie strukturierter Alltag mit Schule, Ausbildung, Arbeit, Sport, Regeln und Verantwortung. In familienähnlichen Wohngruppen sollen die Jugendlichen lernen, ihr bisheriges Leben neu zu ordnen und sich auf eine Zukunft ohne Straftaten vorzubereiten. Hier schließt sich der Kreis zum Glemseck 101. Mit „Glemseck Moto“ betreibt das Seehaus eine eigene Motorradwerkstatt. Dort arbeiten die Jugendlichen gemeinsam mit erfahrenen Fachleuten an Motorrädern, lernen Metallbearbeitung, Technik und handwerkliche Fähigkeiten und erleben am Ende etwas, das in ihrer bisherigen Biografie nicht selbstverständlich war: Anerkennung für etwas, das sie Selbst geschaffen haben. Aus Fähigkeiten, die vielleicht einst auf die falsche Weise eingesetzt wurden, entsteht plötzlich etwas Schönes. So entstand gemeinsam mit dem bekannten Customizer Enrico de Haas von Wannabe-Choppers aus einer von Royal Enfield zur Verfügung gestellten Shotgun 650 die wunderschöne PARIVAR. Das außergewöhnliche Custombike wurde dieses Jahr beim Glemseck 101 für einen guten Zweck verlost. Und dieser gute Zweck besitzt eine bemerkenswerte Symbolik: Die Verlosung unterstützt die Opfer- und Traumaberatung des Seehaus e.V. Dieser Hintergrund gehört für mich zu der stillsten, jedoch zugleich stärksten Geschichte des Glemseck 101.